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Stimmen aus dem Off: „Mitarbeiter aus dem Marketing haben auch schon im Markt unterstützt.“

Wie sieht es derzeit im Maschinenraum der Kommunikationsabteilungen aus und wer berichtet uns davon? Wir haben Informationen aus erster Hand und es wird klar: Teambuilding wird derzeit ganz unkonventionell völlig neu gedacht.

Tausende Geschäfte in der Republik sind geschlossen, Ausgangsbeschränkungen gelten für Bürgerinnen und Bürger aller Bundesländer, der Bund genehmigt milliardenschwere Hilfspakete. Viele Branchen leiden massiv unter den Umsatzeinbrüchen. Dazu gehören die allermeisten Lebensmitteleinzelhändler nicht. Doch auch sie stehen tagtäglich vor nie dagewesenen, kommunikativen Herausforderungen. Welche das genau sind und wie sich all das aufs Daily Business auswirkt? Wir haben mit einem Marketing-Manager eines großen LEHs gesprochen. Er möchte allerdings nicht erkannt werden. Wir nehmen die Bedingung an, die Information ist letztlich wichtiger als das Unternehmen.

Hallo Peter*. Du bist Marketing-Manager bei einem großen Lebensmitteleinzelhändler. Täglich gibt es Updates der Bundesregierung zur aktuellen Lage. Ihr müsst auf äußere Rahmenbedingungen, wie die Anweisung Abstand zu halten, eingehen. Und noch dazu wechselnde Kundenbedürfnisse immer im Auge behalten. Worauf kommt es im Daily Business gerade jetzt als Kommunikator am meisten an?

„Am Wichtigsten ist eine kurze Reaktionszeit. In der Bevölkerung herrscht immer noch Verunsicherung darüber, wie man sich korrekt verhält. Unser Ziel ist es, unsere Kunden über die neuesten Entwicklungen so gut und so schnell wie möglich zu informieren. Neue Regeln oder geänderte Verordnungen müssen von heute auf morgen kommuniziert werden – gerade am POS.“

Die Auswirkungen auf das Tagesgeschäft sind das eine. Wie aber hat sich die Krise auf strategische Entscheidungen ausgewirkt?

„Die volle Tragweite der aktuellen Ereignisse wird sich wohl erst in Wochen oder Monaten zeigen. Themen oder Kampagnen, die unpassend oder schlicht sinnlos wären, werden aktuell neu betrachtet und im Zweifel angepasst oder gestoppt. Allerdings sind vorschnelle Entscheidungen zu diesem Zeitpunkt auch nicht der richtige Weg. Die Zeit wird zeigen, inwiefern sich die Krise auf unsere strategische Ausrichtung auswirkt.”

Betrachten wir die interne Perspektive. Inwieweit wirkt sich die Krise auf die Arbeit im Team bzw. abteilungs- und unternehmensübergreifend aus? Kannst du hier von einer besonders positiven Erfahrung berichten?

„So unlogisch es im ersten Moment klingt, aber man kann die Situation auch als „Team-Building über den Tellerrand hinaus“ betrachten. Die Kollegen sind motiviert und packen an, wo es geht. Der ein oder andere Mitarbeiter aus dem Marketing hat auch schon die Kollegen im Markt unterstützt; Ware verräumt, kassiert – das erzeugt nochmal ein ganz anderes Gefühl des Zusammenhalts.

Die Kommunikation im Mobilen Arbeiten ist durch Mail, Telefon und Chat-Dienste kein Problem und an manchen Stellen vielleicht sogar etwas zielgerichteter als sonst. Trotzdem, es fehlt der soziale Kontakt, die direkte Zusammenarbeit mit den Kollegen, ein kurzer Austausch in der Kaffeeküche – all das werden wir wieder mehr zu schätzen wissen, wenn die Krise vorbei ist.“

Die Ausnahmesituation hält nun schon einige Wochen an. Welche Key-Learnings kann man schon jetzt festhalten?

„Neben guter Vorbereitung und den technischen Voraussetzungen, die es ermöglichen, dass auf einmal wesentlicher Teil eines Unternehmens von zu Hause arbeiten soll, ist für mich der Zusammenhalt und eine gute Kommunikation der Teams, der Abteilungen und Bereiche essenziell.“

Viele tausend Unternehmen und Selbständige kämpfen ums wirtschaftliche Überleben und man hat das Gefühl, die Solidarität und Kreativität ermöglicht viele neue Möglichkeiten. Abschließend also die Frage: Inwieweit ist die jetzige Situation als Chance zu begreifen?

Die Krise zeigt, wie wichtig es ist, als Gesellschaft zusammenzuhalten. Uns sowie allen anderen Lebensmittelhändlern kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu – die Versorgung der Menschen mit dem Lebensnotwendigen. Dass es ebenso wichtig ist, kleinere Geschäfte am Leben zu halten, z. B. durch „support your local“-Initiativen, steht außer Frage.

“Ich persönlich hoffe, es tritt ein gewisser Entschleunigungseffekt ein; wir vergessen manchmal, wie gut es uns eigentlich geht und wie sehr wir das alltägliche schätzen sollten. Eine Situation wie diese, führt einem das wieder vor Augen. Vielleicht ist das das Gute am Schlechten.”

*Name von der Redaktion geändert.